Emotional Support Animals
Zweiteilige Arbeit: Django und Emotional Support Animals; Acryl auf Pannesamt, 150 x 300 cm
Schloss Almoshof wurde in den Jahren 1971 bis 1974 von dem Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann gepachtet. 1974 kündigte ihm die Stadt Nürnberg aufgrund seiner Gesinnung nach polizeilichen Durchsuchungen des Anwesens frühzeitig den Pachtvertrag. Er hielt den zahmen Puma „Django“ und posierte mit ihm, ähnlich wie Mussolini mit seiner Löwin „Italia“.
Die von Hoffmann gegründete „Wehrsportgruppe Hoffmann“ war eine rechtsextreme Organisation, die von 1973 bis 1982 bestand. Mit zwischen 400 und 600 Mitgliedern entwickelte sie sich zur größten und bekanntesten Wehrsportgruppe in der Bundesrepublik Deutschland. Im Januar 1980 wurde sie als verfassungsfeindliche Vereinigung verboten und dann von Hoffmann in den Libanon verlegt. Diese „WSG-Ausland“ bestand noch bis 1982, zerfiel aber nach Hoffmanns Festnahme im Juni 1981. Die WSG gilt als Keimzelle oder Durchlaufstation des bundesdeutschen Rechtsterrorismus.
Wie bei Hoffmann war und ist das Posieren mit Tieren Teil einer emotional wirksamen Machtinszenierung v.a. in autoritären Systemen. Tiere sind Projektionsflächen für Eigenschaften, die der Herrscher sich zuschreibt – oder dem Volk vermitteln will. Das Tier wird oft als Spiegel der überlegenen Natur seines Besitzers instrumentalisiert.
Der Begriff „emotional support animal“ ist ein Internetphänomen: es handelt sich um (Haus-) Tiere, die Menschen mit psychischen oder emotionalen Belastungen Trost, Sicherheit und emotionale Stabilität geben. In Memes auf Social Media wird das Bedürfnis nach Alltagsbewältigung mit Hilfe des Tieres ausgedrückt – oft übertrieben, niedlich oder absurd.
In meiner Arbeit werden die Tiere als Jungtiere dargestellt, um die von ihren Besitzern beabsichtigte emotionale Wirkung auf die Betrachtenden zu intensivieren. Die Verniedlichung der Tiere lassen deren Besitzer harmloser, zugänglicher und weniger brutal erscheinen. Auf der anderen Seite scheint er in der Lage zu sein, ein wildes Tier (Puma, Löwe) zu zähmen – dies soll seine männliche Stärke, Autorität und den Mythos um ihn unterstreichen.
Die Rezeption bewegt sich in der Spannung von angestrebter Zugänglichkeit und der Beherrschung eines (wilden) Tieres und bleibt dadurch zwiespältig.
Besonders im Fall Putins, der seinen Labrador Rüden Koni beim Staatsbesuch von Angela Merkel herumlaufen ließ, wird die emotionale Taktik deutlich, die durch die Anwesenheit eines Tieres hervorgerufen wird: 2006 bat Angela Merkel Putins Team, seinen Hund Koni nicht mitzubringen, da sie Angst vor Hunden hat. Darauf schenkte ihr Putin ein Stofftier mit der Bemerkung, dieses würde sicher nicht beißen. 2007 kam es in Sotschi zu einem Vorfall. Koni lief während eines Treffens direkt auf Merkel zu. Der damaligen Bundeskanzlerin war ihr Unwohlsein deutlich anzusehen. Putin bestreitet bis heute, den Hund absichtlich eingesetzt zu haben, um Merkel einzuschüchtern.
Django Puma von Karl-Heinz Hoffmann
Boy Windhund von Karl-Heinz Hoffmann
Blondi Schäferhund von Adolf Hitler
Italia Löwin von Benito Mussolini
Schrödinger Katze von Elon Musk
Koni Labrador von Wladimir Putin
Marengo Pferd von Napoleon Bonaparte